Einige Notizen zum Schriftgranit
mit 3 Abbildungen


Karlheinz KRAUSE *
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Zusammenfassung: Es wird über Geschiebefunde von Schriftgranit, über dessen Bildung, Eigenschaften und Fundstellen berichtet.

Schlüsselworte: Granitpegmatit, kristalline Geschiebe, Schriftgranit.
Einleitung

Wenn auch Geschiebesammler meist Fossilienliebhaber sind, so gibt es doch eine nicht zu unterschätzende Zahl von Interessierten, die auch die kristallinen Geschiebe beachten. Hier stehen selbstverständlich die sogenannten Leitgeschiebe im Vordergrund der Betrachtungen, weil ihre Herkunft bekannt ist und somit die Bewegungen der eiszeitlichen Gletscher nachvollziehbar machen. Andererseits gibt es sehr auffallende und optisch besonders schöne kristalline Geschiebe, die jeden Sammler allein aus diesem Grunde faszinieren. Hierzu dürfte der Schriftgranit gehören.
Als Herkunftsgebiet des Schriftgranits wird häufig verallgemeinernd ,,Südnorwegen" angegeben. An dieser Stelle sollen drei anstehende Vorkommen von Schriftgranit genannt sein: in Süd-Norwegen bei Evje, in Schweden bei Forshammar (nordwestlich von Stockholm, Västmanland) und in Finnland in der Nähe von Finbo (Åland-Inseln).
Der Verfasser und seine Ehefrau haben in der Nähe ihres Wohnortes im Geschiebe zwei Exemplare des Schriftgranits gefunden (Abb. 1 und 2). Das kleinere Exemplar stammt aus einer Kiesgrube, der größere Schriftgranit aus einer Wegebefestigung, war also bereits von Menschenhand "verschleppt".


Beschreibung des Schriftgranits

Der Begriff "Schriftgranit" wurde 1827 von K.C. von Leonhard in die wissenschaftliche Literatur eingeführt. Dieser Name ist -betrachtet man einen Schriftgranit- augenfällig. In der Grundmasse von weißem oder rosa-fleischfarbenem Feldspat liegen dunkle, graue Quarze (graphische Verwachsungen), die bei einem entsprechenden Anschnitt des Gesteinstückes wie Schriftzeichen aussehen. Als Vergleich dienen meist die hebräische und die arabische Schrift. Seltener werden die "Schriftzeichen" mit germanischen Runen verglichen, was dann zum Namen Runengranit führt. Wird das Gesteinsstück horizontal zu den "Schriftzeichen" geschnitten oder gespalten, zeigen sich die Quarzkristalle lang und stengelig mit unregelmäßigen Formen (Abb. 3).

Schriftgranit findet sich in Granitpegmatiten (griechisch: pegma = Festgewordenes). Ein Pegmatit ist ein groß- bis riesenkörniges magmatisches Gestein, das aus einer, an flüchtigen Bestandteilen reichen, Restschmelze plutonischer Magmen erstarrt ist. Der Granitpegmatit enthält als Hauptbestandteile Quarz, Feldspat und Glimmer.

Mineralogische Untersuchungen des Schriftgranits haben u.a. Fersmann (1928) und Uebel (1983) vorgenommen. Interessierte finden bei Koritnig (1983) eine Darstellung der mineralogischen Zusammenhänge in einer zusammengefaßten Form.
An dieser Stelle sei zur Mineralogie nur folgendes erwähnt: Quarz und Feldspat sollen beim Schriftgranit aus einer Schmelze gleichzeitig auskristallisiert sein. Es gibt hierzu aber auch abweichende Meinungen. Die nach den mineralogischen Verwachsungsgesetzen zu erwartenden Ausbildungen des Schriftgranits liegen jedoch keineswegs immer vor. Uebel (1983) hat die Zusammenhänge zwischen dem Auftreten der gesetzmäßigen und der zufälligen Verwachsungen in ein und demselben Granitpegmatit untersucht. Dabei ergab sich, daß dort, "wo der Schriftgranitpegmatit an das Nebengestein angrenzt und wo er auszukristallisieren begonnen hat" (Koritnig, 1983), die Quarze absolut gesetzmäßig mit dem Feldspat verwachsen sind."... in Richtung des Pegmatit-Kerns nimmt der Quarz-Anteil und seine Korngröße zu. Gleichzeitig nehmen die gesetzmäßigen Verwachsungen immer mehr ab, bis zum Schluß viele unregelmäßige Verwachsungen neben wenigen gesetzmäßigen auftreten" (Koritnig 1983). So können unterschiedlich gut ausgebildete Schriftgranite erklärt werden.


Schriftgranite im norddeutschen Geschiebe

Schriftgranite gehören im norddeutschen Geschiebe nicht zu den besonders häufigen Funden, obgleich es sicherlich Gebiete mit einer gewissen Konzentration von Schriftgraniten gibt. Hierzu rechnete in der Vergangenheit zum Beispiel die weitere Umgebung des Segelfluggeländes in Hamburg-Neugraben. In jüngerer Zeit sind drei schöne Funde aus einer kleinen Kuhle bei Lübberstedt (bei Egestorf / Lüneburger Heide) bekannt geworden (Sammlung Solcher, Geschiebekunde aktuell 1996, Heft 3, Titelbild).






Abb. 1. Schriftgranit aus einer Kiesgrube bei Buxtehude. Breite 4,5 cm.
Foto und Slg.: Karlheinz KRAUSE.



Vergrößerung aller 3 Bilder:
(200Kb)                 

Abb. 2. Schriftgranit, gefunden in einer Wegbefestigung im Estetal bei Buxtehude.
Breite 7 cm. Foto und Slg.: Karlheinz KRAUSE.




Abb. 3. Gleicher Schriftgranit wie Abb. 2, horizontal zu den "Schriftzeichen" gespalten.
Foto und Slg.: Karlheinz KRAUSE.


Literatur

Beyer, H. (1992): Norwegen ist zwei Reisen wert. - Der Aufschluss, 43 (6): 345-360,
14 Abb.; Heidelberg

Fersmann, A.E. (1928): Die Schriftstruktur der Granitpegmatite und ihre Entstehung.
Z. Krist., 69: 77-104. [non vidi].

Koritnig, S. (1983): Schriftgranit. - Der Aufschluss, 34 (12): 527-533, 9 Abb.; Heidelberg.

Lijn, P. (1923): Schriftgraniet. - De levende Natuur, 27; Amsterdam. [non vidi].

Murawski, H. & Meyer, W. (1998): Geologisches Wörterbuch, 10. Auflage. 278 S.,
81 Abb., 7 Tab.; Stuttgart (Enke).

Schäfer, R. (1996): Schriftgranite und Ignimbrite aus dem Münsterländer Kiessandzug.Geschiebekunde aktuell, 12 (3): 4 S., 4 Abb.; Hamburg.

Uebel, R. (1983): Petrogenese der Schriftgranite. - Fortschr. D. Min. 61, Beih. 1: 210
212. [non vidi].
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